Wir müssen selbst die Veränderung sein, die wir in der Welt sehen wollen. M. Gandhi


 ARBEITSKREIS
GEGEN
MASSENTIERHALTUNG

Der "Arbeitskreis gegen Massentierhaltung" in der Gemeinde Burgdorf-Berel (Landkreis Wolfenbüttel) ist eine Bürgerinitiative, die sich gegen den Bau von Hähnchenmastanlagen in der Region wehrt und sich für Umwelt- und Tierschutz einsetzt.



[last_update 07.03.12]

 

 AKTUELLES 


Wieder Hygienemängel bei Wiesenhof

Deutschlands größter Geflügelproduzent Wiesenhof musste am Montag (05. 03. 12) einen seiner Schlachthöfe in Sachsen-Anhalt vorübergehend schließen. Dazu der Kommentar in der Süddeutschen, vom 07. 03. 12:

                       
 Große Skandale, kleine Strafen


                                          von Silvia Liebrich


Und täglich grüßt der Lebensmittelskandal: Kaum hat sich der Wirbel um die Hygienemängel bei Müller-Brot gelegt, schließen die Behörden eine Schlachterei des Geflügelproduzenten Wiesenhof. Beide Fälle sind symptomatisch für die Missstände in der Nahrungsmittelindustrie. Schuld sind jedoch nicht allein die Hersteller, sondern auch die Politik, die davor zurückschreckt, härtere Strafen zu verhängen.

Schon wieder Wiesenhof und schon wieder die Lebensmittelindustrie. Die Behörden müssen erneut eingreifen, weil es Probleme mit der Hygiene gibt. In Sachsen-Anhalt wurde deshalb ein Schlachthof des größten deutschen Geflügelproduzenten vorrübergehend geschlossen. Was genau im Argen liegt, darüber schweigen sich die Beteiligten aus. Auch dies ist nichts Neues.

Im Skandal um die Großbäckerei Müller Brot lief es ähnlich: Lebensmittelkontrolleure zierten sich lange, bevor sie unappetitliche Details über Mäusekot und Kakerlaken preisgaben. Das Nachsehen haben die Verbraucher. Und die Aufseher müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, sie würden nicht hart genug durchgreifen.

Beide Fälle sind symptomatisch für die Missstände in der Lebensmittelindustrie. Die Branche leidet unter einem Glaubwürdigkeitsproblem, ausgelöst durch einen Mangel an Kontrolle und Transparenz. Besonders schlecht ist es hierzulande um den Ruf der Fleischindustrie bestellt, der noch miserabler ist als der von Banken oder der Chemieindustrie. Schuld daran sind nicht nur die Hersteller, sondern auch die Politik.

Wer in Deutschland Steuern hinterzieht, muss mit wesentlich härteren Strafen rechnen als etwa ein Produzent, der Gammelfleisch verkauft. Ein betroffenes Unternehmen darf unter bestimmten Umständen sogar auf Schutz durch den Staat hoffen. Etwa dann, wenn es glaubhaft machen kann, dass seine wirtschaftliche Existenz und damit viele Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen.

Große Konzerne wie Wiesenhof haben besonders wenig zu befürchten. Sie wissen, dass ihnen bei Verstößen allenfalls ein bescheidenes Bußgeld droht. Im schlimmsten Fall wird ein Betrieb, wie nun geschehen, ein paar Tage stillgelegt. Damit Strafen eine abschreckende Wirkung haben, müssten sie jedoch drastisch verschärft werden. Doch genau davor scheut sich die zuständige Bundesministerin Ilse Aigner (CSU). Sie will, wie schon ihr Amtsvorgänger Horst Seehofer, keine Auseinandersetzung mit der mächtigen Lebensmittelindustrie.

Doch wer schützt die Verbraucher vor dieser Politik? Sie müssen sich darauf verlassen, dass Lebensmittelkontrolleure rechtzeitig reagieren und verdächtige Ware aus dem Verkehr ziehen. Doch die sind überlastet und unterbesetzt, außerdem verfügen sie nur über wenig Mittel, sich durchzusetzen. Immer wieder kommt es vor, dass engagierte Aufseher von ihren vorgesetzten Stellen zurückgepfiffen werden. Schmutzige Geschäfte zu Lasten der Konsumenten werden so einfach unter den Teppich gekehrt.

Solche Mauscheleien lassen sich nur mit einer starken nationalen Lebensmittelaufsicht verhindern. Die gibt es bislang nicht, denn die Kontrolle ist Ländersache - ein Relikt aus den Tagen, als Nahrungsmittel noch vor Ort hergestellt und verkauft wurden. Heute haben das global agierende Konzerne übernommen. Mit deren Überwachung sind die Lebensmittelämter hoffnungslos überfordert.




Wir haben es satt“ - auch den Zynismus der Mächtigen!

Am 21. Januar gab es in Berlin eine machtvolle Demonstration von über 20.000 Menschen und 90 Verbänden gegen die verhängnisvollen Entwicklungen in der modernen Agrarindustrie und für eine nachhaltige, bäuerliche Landwirtschaft. Zu glauben, dass Ilse Aigner oder sogar die Bundeskanzlerin beeindruckt gewesen sein könnten, war allerdings Wunschdenken. Von der Ministerin gab es folgenden unglaublichen Kommentar: „Die hier demonstrieren, mögen satt sein, aber eine Milliarde Menschen auf dieser Welt sind es nicht.“

Es verschlägt einem den Atem ob der ministeriellen Ignoranz gegenüber den buchstäblich lebensgefährlichen Entwicklungen in der modernen Agrarindustrie. Die Hungernden auf diesem Planeten brauchen kein Fleisch, sondern Land und Wasser, um ihre Grundnahrungsmittel selbst anzubauen. Doch am Beispiel von Millionen Kleinbauern in Afrika und Südamerika, die ihr Land und ihre Heimat verloren haben, wird deutlich: Es gibt ein globales Komplott von wenigen multinationalen Konzernen wie zum Beispiel Monsanto, die Ländern wie Brasilien, Argentinien, Paraguay und Bolivien (der sogenannten „Soja-Republik“) die Landwirtschaftspolitik diktieren können. In dieser „Sojadiktatur“ (Marie-Monique Robin) dienen riesige Flächen, entstanden durch erzwungene Landflucht der Kleinbauern wie durch Rodung der Wälder, allein den Soja-Monokulturen. Unmengen des Herbizids Roundup (Hersteller: Monsanto) und transgenes Sojasaatgut (Hersteller: Monsanto), das dem Roundup-Herbizid widersteht, bestimmen den Anbau, gigantische Flotten von Erntemaschinen machen sogar die Feldarbeiter weitgehend überflüssig.

Wohin aber geht nun das Soja? Zu einem hohen Prozentsatz in den Export nach Deutschland und in andere europäische Länder. Denn Soja ist ein wesentlicher Bestandteil des in den Mastfabriken benötigten Kraftfutters. Dabei hat gerade Deutschland beim eiweißhaltigen Tierfutter eine Unterversorgung von 40%.

Das einst reiche Agrarland Argentinien kann als warnendes Beispiel für das globale Komplott von wenigen multinationalen Konzernen dienen. Inzwischen sind 60% seiner gesamten landwirtschaftlichen Fläche vom Sojaanbau vereinnahmt. Das hat zu der grotesken Situation geführt, dass die Bürger verstärkt aufgefordert werden, statt Kuhmilch und Rindfleisch Sojamilch und Sojasteaks zu verzehren. Vor diesem Hintergrund, der leicht durch andere Beispiele aus Südamerika wie aus Afrika ergänzt werden kann, ist der diffamierende Kommentar von Ilse Aigner ein unerträglicher Zynismus.

Die Teilnehmer der Demonstration in Berlin wissen sehr wohl um die wahren Ursachen für den Hunger in der Welt und sie kämpfen für die bäuerliche Landwirtschaft, um die Bedrohung für Boden, Luft und Wasser durch die Agrarindustrie zu reduzieren. Die nächste Demonstration wird sich jedoch mit Sicherheit nicht mit einer Route abspeisen lassen, die an dem Bundeskanzleramt gegenüberliegenden Spreeufer entlangführt, um dann auf einem Platz in der Nähe der Schweizer Botschaft (!) zu enden.

Trotzdem: Es herrschte eine optimistische Aufbruchsstimmung, das zeigten auch die zahllosen, oft bissigen Transparente und die vielen witzigen Kostümierungen. Was für eine Ermutigung war es zu sehen, dass diese Demonstration unter dem Motto „Wir haben es satt“ so viele engagierte Menschen aus allen Teilen unseres Landes vereinte.

Wir vom „Arbeitskreis gegen Massentierhaltung“ sind jedenfalls zufrieden aus Berlin zurückgekommen und haben uns vorgenommen, 2013 mit noch mehr Mitgliedern teilzunehmen. Denn der Trend weg vom unreflektierten Fleischkonsum dürfte unumkehrbar sein und die Mär vom unkritischen Verbraucher, der bei Fleisch nur auf den Preis schaut, immer stärker auch als Propaganda der Fleischindustrie entlarvt werden.

Wir blicken optimistisch in die Zukunft und haben folgerichtig die neue Seite „Mutmacher“ eingerichtet. In unserer ersten Meldung geht es um eine namhafte Firma aus München, die in den Kantinen ihrer 50 Standorte (vorerst bis September) einmal im Monat nur ein vegetarisches Mittagessen anbietet.


Wir haben es satt !!! 

Impressionen von der Großdemonstration "Wir haben es satt" 
vom 21. Januar 2012  in Berlin.

Anlass war der Internationale Agrarministergipfel im Rahmen der "Grünen Woche". Auch  wir, aus dem Landkreis Wolfenbüttel, waren unter den mehr als 20 000 Teilnehmern, die gekommen waren, um die Kampagne für eine bessere, gerechtere und umweltschonendere Landwirtschaft zu unterstützen.

Die tolle, mutmachende Stimmung während der Veranstaltung muss man selbst miterlebt haben - Bilder können dies kaum widerspiegeln. Dennoch hier eine kleine Auswahl:
 

DIE BURGDORF/LESSER DELEGATION

    

      


     

DIE DELEGATION AUS CRAMME                      

     

               
                DANK BAUER BANSE,  DER UNS WÄHREND DER FAHRT VERSORGTE, WISSEN WIR
                WIEDER,  WIE GUT MILCH SCHMECKEN KANN!
                www.bauerbanse.de                                               

                                                 
                                                                                                                                                                                              






 





Zum Antibiotika-Einsatz in der Massentierhaltung


Für die Humanmedizin wie für die Tiermedizin sind Antibiotika in vielen Bereichen von extremer Bedeutung. Aber große Sorgfalt ist geboten: Jede zusätzliche Anwendung erhöht das Risiko, dass die Krankheitserreger Resistenzen entwickeln.
Unstrittig ist, dass kranke Tiere behandelt werden müssen. Unstrittig ist aber auch, dass nicht nur in der Geflügelmast normalerweise die gesamte Herde, also alle Tiere in einem Stall, behandelt werden.
In der Wissenschaft wie insbesondere bei den Amtstierärzten gibt es seit Jahren warnende Hinweise auf den ständig zunehmenden Einsatz von Arzneimitteln in der Massentierhaltung. Nun haben offizielle Studien in Nordrhein-Westfalen und jüngst auch in Niedersachsen diese Warnungen bestätigt und die Öffentlichkeit mit Recht aufgeschreckt.
Für Niedersachsen ergibt die Statistik u.a.:
-
bei Schweinen in 5 Monaten Mastdauer 3,4 Behandlungen
- bei Puten in 3 Monaten Mastdauer 10 (!) Behandlungen
- bei Hähnchen (Broilern) in 32 Tagen 2,3 Behandlungen 


Was sind die Ursachen für den massiven Einsatz der Antibiotika in der Hähnchenmast?
1. In der Broilermast werden die Haltungsbedingungen immer intensiver. Nun sind statt bisher 22 sogar fast 25 Tiere pro Quadratmeter erlaubt.
2. Die auf extremes Fleischwachstum gezüchteten Hybriden sind schon von ihrer speziellen Genetik her anfälliger als frühere Züchtungen und durch den dichten Besatz noch zusätzlich gefährdet.
3. Der übliche Hygienestatus in diesen Ställen ist ein weiterer Risikofaktor. Nach gängiger Praxis wird nur vor der Einstallung der Küken gestreut. Danach erhöht sich der Kotanteil in der Einstreu ständig, so dass am Ende der Mast die Tiere vornehmlich auf ihren Ausscheidungen stehen oder liegen.
Vergleiche hierzu die von uns veröffentlichten Ergebnisse der LAVES-Studie!
4. Möglich ist auch, dass Mäster bewusst auf Investitionen zur Verbesserung der Stallhygiene verzichten. Ihr Kalkül: Die bloße Investion in die Medikamente und den Tierarzt rechnet sich.
5. In den heutigen Tierfabriken fungieren die Tierärzte praktisch als Apotheke und verdienen am Antibiotikaeinsatz mit, möglicherweise noch gefördert durch die Rabatte der Pharmaindustrie.


Frau Aigner möchte die Pharmaindustrie verpflichten, Antibiotika-Mengen nach Postleitzahlen anzugeben. Wem nützt das wohl letztendlich?
Der Verbraucher erwartet eine möglichst betriebsgenaue Erfassung der eingesetzten Medikamente. Er ist in diesem Punkte seit längerem durch zwei wissenschaftliche Untersuchungen beunruhigt, die belegen:
- In der Abluft von Hähnchenmastställen sind auch Medikamentenreste nach-
  zuweisen, die durch den Wind in der Umgebung verbreitet werden.
- Beim Transport von Schlachtgeflügel wurden Medikamentenreste in (!) den 
  dahinter fahrenden PKWs nachgewiesen.

Die niedersächsische Statistik zum Antibiotika-Einsatz wurde Anfang Dezember vom Niedersächsischen Landwirtschaftsministerium veröffentlicht.
Herr Lindemann, welche politischen Maßnahmen wird Ihr Haus als erstes ergreifen?

P. Butz


Siehe auch Süddeutsche Zeitung vom 10.01.2012: "Die Hühner und der Saustall"




  Unser Spendenkonto:

 DKB Deutsche Kreditbank AG, Kto.1009521541
BLZ:120 300 00
Kontoinhaberin: Monika Heinrich
 







 






















































































nach oben


Hauptmenü