Mastfabriken

 

Mastfabrik Deutschland

Kürzlich musste Frau Aigners Ministerium in der Antwort auf eine Anfrage der Grünen im Bundestag bestätigen: Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren zu einem großen Fleischexporteur in Europa entwickelt. So stieg beispielsweise der gesamte Export von Fleisch- und Wurstwaren seit 2005 um satte 60%. 2005 waren es 2,3 Millionen Tonnen, 2010 schon 3,7 Millionen Tonnen. Im gleichen Maße hat auch der Grad der deutschen Selbstversorgung zugenommen. Nach 94% im Jahre 2005 sind es inzwischen 113% (2010).

Doch engagierte Verbraucher lassen sich von diesen Zahlen nicht blenden, sondern sind verstärkt besorgt und beunruhigt. Denn die Fleischindustrie hat gerade in der jüngsten Vergangenheit wieder durch Negativschlagzeilen auf die immanenten Probleme der Massentierhaltung aufmerksam gemacht. Man denke nur an die zahlreichen Fälle von Tierquälerei in der Geflügelmast und die offiziellen Statistiken über den generellen Missbrauch von Antibiotika in der Tiermast der Bundesländer Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen.

Wie sehr die Politik mit aufgeweichten Standards für den Tierschutz und den Schutz der Umwelt der Expansion der Tierfabriken Vorschub leistet, lässt sich auch an der Entwicklung der Schweinemast erkennen. 2005 wurden 48 Millionen Schweine geschlachtet, 2010 waren es bereits 58 Millionen Tiere!

Doch alle genannten Zahlen können nicht belegen, dass nur mit wachsenden deutschen Tierfabriken der Hunger in der Welt zu lindern ist – im Gegenteil! Denn bei eiweißhaltigem Kraftfutter besteht in Deutschland eine Versorgungslücke von 40%, die nur mit billigen, sojahaltigen, oft gentechnisch veränderten Futtermitteln aus Brasilien, Argentinien und anderen Ländern Südamerikas auszugleichen ist. Das aber bedeutet, wie der WWF kürzlich mit Recht angeprangert hat:

Deutschland nimmt für seine stetig wachsende Massentierhaltung immer mehr Ackerland außerhalb Europas in Beschlag und f ö r d e r t damit den Hunger in zahlreichen Ländern statt ihn zu bekämpfen!

Peter Butz

Quelle: Süddt. Zeitung vom 20.01.12

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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