LAVES-Studie

 Die LAVES-Studie 

Neue EU-Richtlinie zur Hühnermast verstößt gegen deutsches Tierschutzrecht

Der Hintergrund dieses Forschungsberichts von B. Spindler und J. Hartung ist die neue EU-Richtlinie 2007/43/EG zur Haltung von Jungmasthühnern, die ab dem 30.06.2010 in Deutschland verbindlich ist. Sie erlaubt statt bisher 35kg/m² eine Besatzdichte von bis zu 42kg/m². Auf dem Lehr- und Versuchsgut Ruthe der TiHo Hannover haben die Wissenschaftler unterschiedliche Besatzdichten (33kg/39kg/42kg pro m²) bei unterschiedlicher Mastdauer (1,5kg=Kurzmast bis 2,5kg=Langmast) zugrunde gelegt. Das Ziel ihrer Untersuchungen waren vor allem die Auswirkungen der neuen EU-Richtlinie auf die Tiergesundheit, auf das Verhalten der Masthühner und die Einstreuqualität.

Nach 7 abgeschlossenen Mastdurchgängen kommen die Autoren zu folgenden erschütternden Zwischenergebnissen:
1. Eine genaue Vorhersage über die tatsächliche Besatzdichte ist „nahezu unmöglich“.
2. Schon zur Mitte der Mast gibt es nur noch begrenzt trockene, lockere Einstreubereiche. Am letzten Masttag überwiegen feste Platten und pappig-matschige Einstreu, der Kotanteil ist erheblich. (Der Gesetzgeber fordert dagegen, dass die Masthühner „dauernd“ Zugang zu „trockener, lockerer“ Einstreu haben müssen!)
3. Die schlechte Einstreuqualität führt zwangsläufig zu Schädigungen der Fußballen (Pododermatitis), auch unter den optimalen Bedingungen des Versuchsgutes Ruthe.
4. Die Autoren betonen: Die Pododermatitis findet sich in der Regel bei einem sehr hohen Prozentsatz der Tiere. In der feucht-kalten Jahreszeit ergaben sich Läsionen (Verletzungen) der Fußballen bei bis zu 100% der Tiere!
5. Im Vergleich mit dem vom BGH geforderten Mindestflächenbedarf von Legehennen in der Bodenhaltung wird den Masthühnern nach der neuen EU-Richtlinie deutlich weniger Nutzfläche zugestanden.

Die Schlussfolgerung der Autoren ist unmissverständlich: „ Es erscheint angeraten, die derzeit geltenden Bestimmungen zur Platzbemessung für Masthühner in der EU-Richtlinie im Hinblick auf Tiergesundheit, Tierschutz und Schlachtkörperqualität zu überdenken.“

Auf diesem Hintergrund versteht man auch die deutlichen Warnungen vieler Amtstierärzte:
1. Die Regelungen der neuen EU-Richtlinie stellen höchste Anforderungen an die Ausstattung der Ställe sowie an das Management und die Sachkunde der Mäster.

2. Nach ihrer Erfahrung liefert schon jetzt nur ein geringer Prozentsatz der Mastbetriebe durchgängig Tiere mit guter Fußballengesundheit ab.
3. Mit der weiteren Intensivierung der Masthühnerhaltung werden auch die Verletzungen der Fußballen zwangsläufig weiter zunehmen.
4. Doch diese Verletzungen sind genauso wie die noch weiter eingeschränkten Bewegungsmöglichkeiten der Tiere eindeutige Verstöße gegen das deutsche Tierschutzgesetz und das Gebot unseres Grundgesetzes in Artikel 20a.

Die Amtstierärzte fordern eine systematische Kontrolle der Fußballengesundheit am Schlachtband und eine Meldung an – den Mastbetrieb!

Wie beim Antibiotikaeinsatz dürfte ein derartiges großzügiges Verfahren für die Mäster ausgesprochen angenehm sein: Es verpflichtet sie nicht dazu, ihren gesetzlichen Verpflichtungen nun endlich nachzukommen!

 

 

 

P. Butz

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